Das funktioniert alles nicht! (Geistige Konflikte in Fate)

Das Problem mit geistigen Konflikten

Der neu­es­te Bei­trag von sprawl­dogs hat mich wie­der dar­auf ge­bracht, dass ich die­ses The­ma mal noch in ei­nem Ar­ti­kel ver­ar­bei­ten woll­te. Es geht, kurz ge­sagt dar­um, dass die Me­cha­nik für geis­ti­ge Kon­flik­te – zu­min­dest in Fa­te – in mei­nen Au­gen nicht funk­tio­niert. Und das liegt nicht an Fa­te, son­dern ein­fach in der Sa­che selbst be­grün­det. (In­hä­rent nennt man das in Ge­lehr­ten­krei­sen)

Dass die geis­ti­gen nur et­wa ein Drei­ßigs­tel al­ler Kon­flik­te un­se­rer Grup­pe aus­ma­chen, könn­te man noch mit un­se­rer So­zia­li­sa­ti­on als klas­si­sche Rol­len­spie­ler be­grün­den. Dass uns aber, trotz in­ten­si­ver Vor­be­rei­tung und al­lem drum und dran, bis­her kei­ner die­ser Kon­flik­te wirk­lich Spaß ge­macht hat, das ist ein­fach Mist und das liegt in mei­nen Au­gen dar­an, dass geis­ti­ge Kon­flik­te Gespräche/Streits/Diskussionen sind und die­se sich nicht in Re­geln fas­sen las­sen.

Kämpfe und Diskussionen

Viel­leicht ein Bei­spiel. Wir hat­ten ei­nen NSC, der ei­ni­ge an­de­re NSCs ver­ra­ten hat­te und da­für ei­nem an­de­ren die Schuld gab. Auf­ga­be der SC war nun al­so, mit al­len zu spre­chen und die Wahr­heit ans Licht zu brin­gen und schließ­lich den Ver­rä­ter zu iden­ti­fi­zie­ren, an­zu­kla­gen und der Ge­rech­tig­keit zu­zu­füh­ren (oder so ähn­lich). Re­gel­tech­nisch ha­ben wir das sehr ele­gant mit frei­en Ein­sät­zen auf ge­schaf­fe­nen As­pek­ten für her­aus­ge­fun­de­ne In­for­ma­tio­nen ge­löst. Die Tat­sa­che, dass im Fi­na­le drei SC ge­gen ei­nen NSC »kämp­fen« wür­den, ha­be ich dann al­ler­dings schon et­was in­ge­nieurs­mä­ßi­ger mit Pan­zer­tape und WD40 ge­löst: Geg­ner und ein Spie­ler­cha­rak­ter wa­ren im­mer ab­wech­selnd dran, Scha­den hat nur der Cha­rak­ter ein­ge­steckt, des­sen As­pekt re­le­vant für die Sze­ne war. Und was ist pas­siert? Die Kon­tra­hen­ten wa­ren un­ge­fähr gleich­stark und wie red­lich sich die Spie­ler auch be­müh­ten, zu ar­gu­men­tie­ren und zu schau­spie­lern; nichts ge­schah. Das gan­ze Re­gel­ge­rüst war künst­lich und frus­trie­rend. Nach­her ba­ten mich mei­ne Spie­ler um Bo­ni für gu­tes Rol­len­spiel.

Das Pro­blem ist doch fol­gen­des: In ei­nem Kampf fal­len ei­nem zig Ma­nö­ver ein. Die Re­geln sind klar und wenn man mal nicht wei­ter­kommt, dann ar­bei­tet man eben zu­sam­men, er­schafft ei­ne Hand­voll Vor­tei­le und zack! – Rü­be ab. In ei­nem geis­ti­gen Kon­flikt sieht das an­ders aus: Da sind die Ar­gu­men­te ab­ge­zählt. Es ist viel­leicht nicht be­son­ders krea­tiv, fünf Run­den hin­ter­ein­an­der mit dem Schwert zu­zu­schla­gen, aber fünf Mal hin­ter­ein­an­der »Ha­ha!« zu ru­fen, das ist ein Un­ding. Selbst wenn man die Ska­lie­rung än­dert (»Ich schaue ihn fins­ter an!« – »Wür­fel mal Ein­schüch­tern!«), bleibt das Pro­blem be­stehen: Wenn die Dis­kus­si­on zu­en­de ist, und in ih­rer dra­ma­ti­schen Zu­spit­zung ih­ren Hö­he­punkt er­fah­ren hat und bei­de Cha­rak­te­re mit lee­ren Stress­käst­chen noch ste­hen, dann funk­tio­niert der Me­cha­nis­mus nicht. Na gut, viel­leicht ha­ben wir auch ein­fach nur tak­tisch schlecht ge­han­delt, aber das Pro­blem bleibt: Wenn ich das Ge­spräch an die Wür­fel­wür­fe an­pas­sen muss, dann stimmt et­was nicht.

An­de­re, klas­si­sche­re Rol­len­spie­le lö­sen das Pro­blem, in­dem sie es nicht lö­sen. Dort heißt es dann meist: So­zia­le Kon­flik­te wer­den aus­ge­spielt. Gu­te Ar­gu­men­te ge­ben Bo­ni auf den Wür­fel­wurf. Mich wür­de es ja mal in­ter­es­sie­ren, wie DSA 5 das ge­löst hat und ob es da funk­tio­niert.

Einfach nur drauf!

Der auf­merk­sa­me Fa­te-Spie­ler merkt: Ich ver­wen­de »men­ta­le« und »so­zia­le« Kon­flik­te syn­onym. Ein Feh­ler? Viel­leicht ei­ne Ver­wir­rung, weil im Fa­te-Re­gel­werk et­was von »geis­ti­gem« und »men­ta­len« Stress steht, es aber ei­gent­lich um so­zia­le Kon­flik­te geht. Wie dem auch sei, als wir mit Erd­fall an­fin­gen, war ich ir­gend­wie der Mei­nung, dass man Angst über die­sen Stress und die­se Kon­se­quen­zen ab­bil­den könn­te und das ist das zwei­te, was mir an dem gan­zen Me­cha­nis­mus un­ge­reimt er­scheint. Es funk­tio­niert zwar sehr gut, Spie­ler an gru­se­li­gen Or­ten ge­mäß des Fa­te-Frak­tals mit Wil­le ge­gen den Hor­ror wür­feln zu las­sen, aber letzt­end­lich ist es doch ir­gend­wie auch nur das Äqui­va­lent zu: Du kriegst 1W6+3 Scha­den. Scha­de. Das nimmt den Spie­lern die Kon­trol­le über ih­re Cha­rak­te­re und das ist wirk­lich un­höf­lich. Al­so im End­ef­fekt auch kei­ne gu­te Me­tho­de, mit geis­ti­gem Stress um­zu­ge­hen.

Al­so ein voll­kom­men nutz­lo­ser Me­cha­nis­mus? Nicht ganz. Mei­ne Spie­ler lie­ben es, in Kämp­fen mit ih­ren Erz­fein­den zu dis­ku­tie­ren. Und da lässt sich tat­säch­lich im­mer mal wie­der das ein oder an­de­re Stress­käst­chen wen­den und das ist bes­ser als nichts. Im Mo­ment ha­ben wir so­gar ei­nen schö­nen Ne­me­sis (auf den ich so­gar ein klein we­nig stolz bin), des­sen Kampf­fer­tig­kei­ten mä­ßig sind, der aber un­glaub­lich zy­nisch und sa­dis­tisch ist und je­de Schwä­che der SC aus­nutzt, um ih­nen geis­ti­gen Scha­den zu­zu­fü­gen. Das hat zu der skur­ri­len Si­tua­ti­on ge­führt, dass der kör­per­lich über­le­ge­ne SC ihn zu Bo­den ge­run­gen hat­te und der Erz­feind ihn ein­fach nur aus­lach­te, bis der SC wei­nend das Wei­te such­te. Und ich fin­de, so­lan­ge es sol­che Si­tua­tio­nen gibt, hat der men­ta­le Kon­flikt im­mer noch sei­ne Be­rech­ti­gung.

Ganz zu­frie­den bin ich aber trotz­dem nicht.

2 Gedanken zu „Das funktioniert alles nicht! (Geistige Konflikte in Fate)“

  1. Dem muss ich jetzt al­ler­dings wi­der­spre­chen. Ich er­in­ne­re an den wirk­lich ge­lun­ge­nen Streit zwi­schen An­d­rey und sei­nem Bru­der, bei dem wirk­lich krass die Fet­zen ge­flo­gen sind, sich bei­de ziem­lich fie­se und über die Jah­re an­ge­stau­te Wut an den Kopf ge­wor­fen ha­ben und der so­gar zu Hand­greif­lich­kei­ten führ­te. Auch wenn sich am En­de bei­de im Matsch prü­gel­ten, ha­be ich den Streit im­mer als geis­ti­gen Kon­flikt ge­se­hen.Re­fe­rence

  2. Hui­ui­ui, du hast Recht! Wie konn­te ich den nur ver­ges­sen? In der Tat war das ei­ner der stärks­ten und fa­tigs­ten Rol­len­spiel­mo­men­te mei­ner Rol­len­spiel­kar­rie­re.

    Viel­leicht so viel: Ja, aber viel­leicht war das auch nur Zu­fall und au­ßer­dem ist das Gan­ze, als ihr euch dann nichts mehr zu sa­gen hat­tet, doch in ei­nen Kampf aus­ge­ar­tet.

    Aber du hast schon Recht. Das war groß­ar­tig. +5 😉

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